11. Türchen: Der König und die Puppe

Es wird von einem König im fernen Osten berichtet, der viel Macht, Ansehen und Reichtum besaß. Er hatte viele Minister, die ihm halfen, sein Land gut zu regieren. Einer von ihnen, ein sehr gebildeter Mann, hatte Kontakt zu gläubigen Christen, die auch ihm von Jesus erzählten.

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Sowohl ihre Argumente als auch die Liebe, die sie ihm entgegenbrachten überzeugten ihn, selbst auch Jesus nachzufolgen. Aus seinem neu gefundenen Glauben macht er keinen Hehl, obwohl das in seinem Land nicht erwünscht war – und schon gar nicht am Königshof.

Der König stellte ihm viele Fragen zu seiner neuen Religion. Der Minister erklärte, dass er an Jesus glaube, und dass Gott ihn ihm Mensch wurde. Gott sei selbst auf die Welt gekommen als der, der die Welt von ihrer Schuld befreit und den Weg zu Gott zeigt. Dem König war das unverständlich. „Denn“, sagte er, „wenn ich will, dass etwas geschehen soll, dann gebe ich meinen Dienern Befehle, und das genügt. Warum sollte Gott selbst in diese Welt kommen, um irgendetwas zu tun? Er ist doch viel mehr als ein König!“

Der König wollte den Minister wegen seiner Bekehrung zum christlichen Glauben entlassen. Da er ihn aber sehr gern hatte, versprach er ihm Gnade, wenn er eine Antwort auf diese Frage wüsste.

„Gewährt mir 24 Stunden, Majestät, und ich will Euch antworten.“, bat der Minister. Der König zögerte etwas, gab ihm dann doch einen Tag Zeit für seine Antwort. Der Minister ließ einen geschickten Schnitzkünstler holen und gab ihm den Auftrag, eine Puppe anzufertigen, die genauso aussehen sollte, wie die zweijährige Tochter des Königs. Auch die Kleidung der Puppe sei genauso anzufertigen, wie die der kleinen Prinzessin.

Am folgenden Tag machte der König im Boot eine Spazierfahrt. Der Schnitzkünstler war angewiesen, sich am Ufer des Flusses aufzuhalten und auf ein vereinbartes Zeichen hin die Puppe ins Wasser zu werfen. Genau das tat er auch.

Der König sah die Puppe ins Wasser fallen und rief „Meine Tochter!“ und sprang sofort ins Wasser.

Der Minister fragte ihn anschließend, warum er selbst sein Kind habe retten wollen, wenn doch ein Wort an seine Diener genügt hätte. „Es ist das Herz des Vaters, das so handeln musste!“ erwiderte der König.

Und der Minister antwortete: „So hat sich auch Gott nicht damit zufriedengegeben, den Menschen nur einen Diener auf die Welt zu schicken, sondern seine unendliche Liebe ließ ihn selbst vom Himmel herabsteigen, um uns zu retten.“ [1]


Mit dieser Geschichte sind wir am Kern der Weihnachtsgeschichte. Wir Christen feiern an Weihnachten, dass Gott selbst Mensch wurde in Jesus Christus. Zwei Begriffe sind in dieser Geschichte zentral: Liebe und Rettung.

Aus Liebe entschloss sich Gott, Mensch zu werden. Vielleicht hätte Gott einen anderen Weg wählen können, aber durch die Liebe motiviert wurde er selbst Mensch. Er entschloss sich, selbst in die Weltgeschichte einzugreifen, nicht nur einen weiteren Diener zu schicken, einen „Propheten“, einen neuen Religionsstifter oder einfach nur ein neues Heiliges Buch vom Himmel fallen zu lassen mit einer Anleitung, wie man ein guter Mensch wird. Nein, es war, wie es in der Geschichte hieß, das „Herz eines Vaters, das so handeln musste.“ So wie der König in der Geschichte ins Wasser sprang, kam auch Jesus auf die Erde.

Der zweite zentrale Begriff ist Rettung. Nun, die meisten von uns haben im Alltag kein großes Bedürfnis, gerettet zu werden. Wenn du das hier liest oder hörst bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gerade nicht kurz vor dem Ertrinken. Jesus sprach jedoch davon, dass wir Rettung von unserer Schuld brauchen. Was für viele jetzt erst einmal religiös und altbacken klingt, lernen wir als Kinder schon von klein auf: Schuld belastet uns und muss beseitig werden. Wir bringen Kindern bei, die andere verletzt haben, dass sie sich bei ihnen ent-schuldigen müssen. Die Vorsilbe ent drückt aus, dass eine Sache weggenommen wird. So wird beispielsweise bei der Ent-Eignung, Eigentum weggenommen, bei der Ent-Hüllung wird eine Hülle beseitigt und beim Ent-Waffnen wird jemand eine Waffe weggenommen. Bei der Ent-schuldigung wird Schuld weggenommen. Von klein auf Lernen wir: Wir können mit Schuld nicht einfach weiterleben.

Was jetzt vielleicht zuerst nur nach einem Sprachspiel klingt, wissen Psychologen heutzutage nur zu gut: Schuld, die nicht verarbeitet wird, die auf uns liegt, macht uns krank. In der Psychologie wird von Schuld oft als „moralische Verletzung“ gesprochen – davon, dass wir moralische Maßstäbe verletzt haben, dass wir etwas getan haben, was wir nicht hätten tun dürfen. Der Psychologe William Nash hat es so ausgedrückt: „Nicht verarbeitete moralische Verletzungen wiederum können zu Phänomenen wie Schuldgefühlen oder Scham beitragen, aber auch autodestruktive Prozesse (wie Suchtverhalten oder Suizidalität) fördern.“[2] Etwas einfacher ausgedrückt: Wer Schuld mit sich herumträgt, leidet meist unter Schuldgefühlen, Scham, schadet sich selbst und neigt oft zu Süchten oder hat sogar Selbstmordgedanken.

Schuld macht uns unfrei und krank.

Wir alle kennen die befreiende Erfahrung eines guten Gewissens! Wie schön ist es, wenn zwischenmenschliche Beziehungen geklärt sind, wenn Schuld vergeben ist, wenn wir uns versöhnt haben, und uns niemand mehr etwas nachträgt.

Genau das können wir auch mit Gott erleben: Vergebung von unser Schuld. Jeder von uns trägt etwas Schuld mit sich herum. Wir alle haben schon einmal Menschen verletzt, oft sogar die, die uns am meisten am Herz liegen. Jesus ist gekommen, um die Schuld wegzunehmen, uns zu Ent-schuldigen. Wie er das genau getan hat, erzähle ich in einer der nächsten Geschichten.

Vielleicht möchtest du auch erleben, wie Gott deine Schuld wegnimmt und du wieder ein gutes Gewissen hast? Vielleicht plagt dich auch schon lange die Schuld für etwas, dass du einmal getan hast und weshalb du einfach nicht zur Ruhe kommen kannst. Ich lade dich ein, heute deine Schuld zu Jesus zu bringen.


Du kannst das dadurch tun, dass du mit Gott redest – oder etwas fromm ausgedrückt – indem du betest. Du kannst Gott um Ent-schuldigung bitten. Dein Gebet könnte etwa so aussehen: „Danke Gott, dass du in Jesus Mensch geworden bist. Danke, dass du mich liebst. Bitte nimm du auch meine Schuld weg und schenk‘ mir ein gutes Gewissen. Vielen Dank!“


Hast du Interesse daran, jetzt in der Vorweihnachtszeit einmal eine christliche Veranstaltung oder einen Gottesdienst zu besuchen? Gerne kannst Du beim „Anschlussfinder“ vorbeischauen – dort kannst du Anschluss finden zu Christen in deiner Nähe:


Zum Adventskalender

Zur Übersicht aller Kalendertürchen auf: ime.to/advent

[1] Inspiriert durch Sadhu Sundar Singh

[2] http://www.wehrmed.de/article/2783-werteveraenderungen-moralische-verletzungen-bei-im-einsatz-psychisch-erkrankten-soldaten-der-bundeswehr.html  

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