19. Türchen: Das hart erarbeitete Auto

Tobias wuchs in einer einfachen Familie in der Nähe des Industriegebiets auf. Sein Vater arbeitete als Elektriker bei einer großen Kabelfabrik, nicht weit von ihrem Haus entfernt. Schon als kleines Kind war Tobias fasziniert von fast allem, was in irgendeiner Form elektrisch angetrieben wurde.

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Von seinem Vater lernte er mit dem Lötkolben umzugehen und defekte Elektrogeräte zu reparieren, durchgebrannte Bauteile zu ersetzen und so aus Schrott wieder etwas Wertvolles zu machen. Seine Eltern hatten nicht besonders viel Geld und so machte auch hier – wie so oft – die Not erfinderisch. Mit elf Jahren fing er an, nicht nur defekte Geräte zu reparieren, sondern auch kreativ neue Sachen zu basteln. Immer wieder fragte er beim Wertstoffhof nach, ob sie ihm nicht ein defektes Gerät geben könnten, dass zuvor hier entsorgt worden war.

Als er 14 war, setzte er sich zum Ziel, ein ferngesteuertes Auto selbst herzustellen. Immer wieder zog er los, um sich die nötigen Bauteile zusammenzusammeln: Ein Motor aus einem Rührgerät, Funksender- und Empfänger aus Handfunkgeräten und Knöpfe für die Fernbedienung aus einer Spielekonsole, ein Akku aus einem Handstaubsauger – fast alles konnte er irgendwo ausbauen und in seinem Auto verwerten. Nur ein paar Bauteile musste er selbst kaufen, zum Beispiel die Räder, denn schöne Reifen waren weit und breit nirgends zu finden. Auch Solarzellen musste er selbst bezahlen. Monatelang saß er abends immer wieder in seinem Zimmer, schraubte, bohrte, lötete und löste ein Problem nach dem anderen.

Nach knapp einem halben Jahr war es endlich soweit – alles war fertig. Es war Anfang Dezember, draußen war es kalt aber es lag noch kein Schnee. Tobias zog los, um sein Modalauto draußen im Freien zu testen. Es war an einem Sonntagnachmittag und für eine Testfahrt schien ihm das Industriegebiet ideal. Es war groß und am Sonntag war hier nichts los, so konnte er es auch auf der Straße testen ohne auf Autos Rücksicht nehmen zu müssen. Alles klappte wie am Schnürchen, beschleunigen, bremsen, lenken, selbst die kleinen Scheinwerfer ließen sich ohne Probleme ein- und ausschalten. Tobias war stolz auf seine Leistung und glücklich, dass alles so gut funktioniert hatte.

Bis jetzt hatte er die Fernbedienung nur auf sehr kurze Distanz getestet. Wie weit würde die Fernbedienung nur reichen? Also ließ er das Modelauto in Schlangenlinien von sich weg fahren – so konnte er auch immer sehen, dass die Fernsteuerung einwandfrei funktionierte und es nicht einfach nur ohne Signal geradeaus fuhr. Danach fuhr er weiter am Grundstück einer großen Radiostation vorbei.

Doch was war das? Obwohl er immer noch geradeaus steuerte, fing das Auto an, nach rechts zu fahren. „Vielleicht ist etwas an der Lenkung defekt? Oder die Achse ist schief.“ Dachte er sich. Also drückte er denn Aus-Knopf an der Fernbedienung, um zu seinem Auto zu gehen und nachzusehen, was los war. Doch es blieb einfach nicht stehen, sondern fuhr einfach weiter, immer weiter nach rechts. Tobias wurde nervös „Was ist da los? Das kann doch gar nicht sein!“ Das Auto fuhr von der Straßenmitte nach rechts hin zur Einfahrt der Radiostation. Tobias sah das große weiße Tor nur ein paar Meter von seinem Auto entfernt – und es steuerte genau darauf zu. Tobias rannte so schnell er nur konnte „Wenn das unter dem Tor verschwindet weiß ich nicht, ob ich es jemals wiederbekomme!“ Nur noch ein paar Zentimeter bis zum Tor, Tobias machte einen letzten verzweifelten Hechtsprung auf den Asphalt, um es noch zu erwischen. Doch es war zu spät. Das Auto war unter dem Tor verschwunden. Unterm Tor hindurch konnte er nur noch sehen, wie es immer weiter von ihm wegfuhr. Sofort eilte er zur Pforte und klingelte Sturm. Doch an der Gegensprechanlage hörte er nur etwas von wegen, Sicherheitsvorgaben, er könne niemand reinlassen, Zutritt nur für Mitarbeiter – er solle doch an einem Wochentag wiederkommen oder ihnen eine E-Mail schreiben.

Am Abend saß er mit seinem Vater zusammen und erzählte ihm, was passiert war. Er war völlig aufgelöst. Der Vater meinte recht nüchtern, dass das Auto vielleicht ein falsches Funksignal von der Radiostation bekommen habe, man wisse ja nicht auf was für Frequenzen, die dort alles senden würden. Es schien ihn auch nicht besonders zu interessieren.

Tobias aber hatte so viel Zeit und Herzblut in das Auto gesteckt, dass er es auf jeden Fall wiederhaben wollte. Gleich am nächsten Morgen rief Tobias bei dem Fernsehsender an und schilderte seinen Verlust. Man würde mal die Wachleute fragen, ob sie was gesehen hätten und sich dann wieder bei ihm melden. Er wartete. Eine Woche lang passierte gar nichts – da rief er noch einmal an. Man erklärte ihm, dass sie seit zwei Tagen eine neue Sicherheitsfirma beauftragt hätten für ihr Grundstück, er solle doch bei der alten Sicherheitsfirma anrufen, ob die etwas wüssten. Nur ein paar Augenblicke später war er auch schon in der Kundenhotline der Sicherheitsfirma. Nach zwanzig Minuten Wartemelodie konnte er endlich sein Anliegen schildern. Man würde mal unter den Sicherheitsleuten nachfragen, die an dem Sonntag dort gearbeitet hätten. Er solle morgen wieder anrufen. Wieder hieß es: warten. Wieder verging ein Tag. Am nächsten Tag sagte man ihm: „Wir wissen nichts von irgendeinem Modelauto, tut uns leid!“ Das war‘s dann wohl. Es war aussichtslos.

Das Leben musste weitergehen, schließlich war bald Weihnachten und es galt Geschenke zu kaufen. Tobias fuhr also mit der Straßenbahn in die Innenstadt, um nach Geschenken für seine Eltern und Geschwister zu suchen. Er ging an einem kleinen Spielwarenladen vorbei, schaute kurz ins Schaufenster und wollte gerade weitergehen – doch Moment – was war das? Er drehte sich zurück – da bei den gebrauchten Spielzeugen stand ein selbst gebautes Spielzeugauto. Das sah genau so aus, wie sein eigenes! Sofort stürzte er in den Laden und rannte zu dem Auto und schubste dabei noch ein paar Leute zur Seite. Ganz eindeutig – das war sein Auto! Sofort ging er zur Kasse und beklagte sich „Das Auto hier gehört mir! Das müssen Sie mir zurückgeben!“ Die Frau an der Kasse war etwas verwirrt und fragte ihn: „Oh, du meinst du möchtest das Auto hier kaufen? Gerne doch…“ Sofort unterbrach Tobias die Verkäuferin: „Nein, ich will es nicht kaufen! Das ist mein Auto – sie müssen es mir zurückgeben!“ Der Ladenbesitzer hatte das Gespräch mitbekommen, ging rüber zur Kasse und sagte genervt: „Jetzt hör mal zu, das Auto gehört nicht dir. Das Auto gehört mir. Ich habe es vor ein paar Tagen von einem Mann gekauft, es gehört also mir. Also entweder zahlst du die 200 Euro dafür oder du suchst dir was anderes.“ „Aber ich habe das Auto selbst gebaut, ich habe es verloren…“ „Das kann jeder erzählen“ fiel ihm der Besitzer ins Wort. „Also willst du es kaufen oder nicht?“ Weiter zu diskutieren war nutzlos. „Na gut, ich möchte es kaufen. Aber ich habe nicht so viel Geld.“ „Wenn du das Auto wirklich willst“, schlug der Ladenbesitzer vor „dann kann ich das Auto für dich zurücklegen und du besorgst das Geld.“ „Und woher soll ich so viel Geld bekommen?“ „Also nun nerv mich nicht, Junge, das ist dein Problem. Ich kann das Auto für dich einen Monat zurücklegen. Soll ich das machen oder nicht?“ Tobias hatte keine Wahl, schließlich stimmte er zu: „Okay, bitte legen Sie es zurück, ich besorge das Geld.“

Tobias war aber erst 14 Jahr alt, wirklich arbeiten durfte er somit nirgends. Und Schulden machen war keine Option. So fing er an, für die Nachbarin früh morgens in der Kälte Schnee zu schippen und gleich anschließend Zeitungen auszutragen, Pfandflachen aus Mülleimern zu sammeln und für die Großeltern das Auto zu putzen. Alles keine Arbeiten, die auch nur ansatzweise Spaß machten. Manchmal dachte er sich früh morgens beim Schneeschippen: „Warum mach ich das hier alles? Das ist echt ätzend hier, mir ist kalt und ich habe noch von gestern Muskelkater“. Doch dann dachte er wieder an sein Auto und sagte sich „Das Auto ist es wert – ich zieh das durch!“ Der Monat, in dem das Auto noch zurückgelegt war, neigte sich schließlich dem Ende zu – und er hatte das Geld beisammen. Sofort machte er sich wieder auf den Weg zu dem Laden, schüttete die 200 Euro in kleinen Scheinen und vielen Münzen auf den Kassentisch.

Überglücklich ging er mit dem Auto wieder zurück nach Hause. Am Abend saß er noch mit seiner Familie beim Essen und erzählte, dass er nun sein Auto wiederhatte. Er sagte etwas nachdenklich: „Es gehört mir jetzt sogar zweimal… ich habe es gebaut und dafür gezahlt.“[1]


Ist es dir auch schon einmal so gegangen, wie Tobias in der Geschichte? Wahrscheinlich nicht. Normalerweise stellen wir entweder etwas her oder wir bezahlen dafür. Bestenfalls bezahlen wir das Rohmaterial und investieren dann unsere Arbeitskraft. Es scheint paradox, dass man dieselbe Sache zuerst herstellt und anschließend bezahlt.

An Weihnachten erinnern wir uns als Christen, dass genau das vor 2000 Jahren notwendig wurde.

Wir Menschen sind nicht lediglich ein Produkt des Zufalls, einfach nur willkürlich über Jahrmillionen entstanden. Gott hat uns Menschen geschaffen – die Menschheit als Ganzes aber auch jeder einzelne von uns ist von Gott gewollt und von ihm geplant.

Sicher könnte man einwenden, dass wir einfach nur das Produkt unserer Eltern sind und dass die Evolution ja auch viele erklären würde. Rein biologisch und materiell gesehen mag da schon etwas Wahres dran sein. Doch diese Begründung ist zu einfach. Wir lesen in unseren Geschichtsbüchern schließlich auch nicht, dass der erste Weltkrieg dadurch ausgelöst wurde, dass die Explosion von einer Mischung aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle, die wir Schwarzpulver nennen, in einem Gewehr eine Kugel beschleunigt hat. Das mag rein chemisch und physikalisch richtig sein. Doch diese Begründung ist offensichtlich zu einfach. Auch die psychologische Begründung, dass der erste Soldat einen Gegner gesehen hat und deshalb aus Angst den Abzug eines Gewehrs betätigt hat, reicht nicht für ein Geschichtsbuch. Hinter all dem standen politische Entscheidungen – und die sind wesentlich für den Beginn eines Krieges.

Hinter all dem, was man in Ansätzen biologisch oder medizinisch begründen kann, steht ein Gott, der uns gewollt hat, uns geplant hat und eine Entscheidung getroffen hat, dass es dich und mich geben soll. Wir sind von Gott geschaffen. Gott ist der Schöpfer allen Lebens, von allem Guten und Schönen.

Doch wofür musste Gott bezahlen? Im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen folgt der Mensch nicht nur seinen Trieben und Instinkten. Wir haben einen freien Willen. Und den haben wir alle nicht für die Gemeinschaft mit Gott eingesetzt. Keiner von uns kann sagen, dass er sein Leben immer auf das ausgerichtet hat, was die Beziehung zu Gott fördert und in seinen Augen gut und richtig ist. Wir können uns aus freien Stücken von Gott entfernen, wir können ein Leben ohne ihn Leben und uns somit von der Quelle alles Guten und allen Lebens distanzieren.

Genauso, wie es einen Urheber für alles Gute gibt, nämlich Gott, gibt es auch einen Urheber für alles Böse. Manche nennen ihn schlichtweg „das Böse“, andere denken an „die dunkle Seite der Macht“. Manche nennen ihn Teufel oder Satan. Manche haben überhaupt keinen Namen dafür aber wissen ganz klar, dass mit dieser Welt etwas nicht stimmt. Fast niemand behauptet, dass es so etwas wie „das Böse“ nicht gibt. So viel Gewalt, Krieg, Krankheit und Schmerz auf dieser Welt – das kann nicht von Gott kommen.

Wenn wir von Gott weg gehen, von der Quelle allen Lebens, dann ist die Folge, dass wir all das erleben, was das Leben schwer und unerträglich macht: Hass, Wutausbrüche, Süchte, Gewalt, zerbrochene Beziehungen, Neid, Eifersucht – ja sogar Krankheit, Schmerz und Tod sind letzten Endes ein Resultat unserer Trennung von Gott.

Vor 2000 Jahren kam Gott auf diese Erde, um uns aus all dem herauszuholen. Gott wurde als menschliches Baby geboren, das feiern wir an Weihnachten. Gott hat einen riesigen Preis gezahlt. Gott wurde Mensch, er hat den Himmel hinter sich gelassen, den Ort, an dem alles perfekt ist und es keinen Schmerz gibt. Er hat in Jesus in einem besetzten Land gelebt, hat Hunger, Durst, Schmerzen und Kälte erlitten.

Den größten Preis zahlte er, als er auf einem Hügel außerhalb von Jerusalem öffentlich an einem Kreuz zu Tode gefoltert wurde. Dort am Kreuz hat er all das Negative dieser Welt auf sich genommen, alle Krankheit allen Schmerz. Und was am allerwichtigsten ist: Er hat unsere Schuld auf sich genommen. Die Schuld dafür, dass wir ohne Gott gelebt haben, die Schuld, dass wir seine Maßstäbe ignoriert haben und nicht nach ihm gefragt haben. Die Schuld, dass wir unseren Teil dazu beigetragen haben, dass diese Welt mit so viel Bösem gefüllt. Jesus hat das Lösegeld für unsere Schuld bezahlt – mit seinem eigenen Leben. Jesus erklärte das einmal so:

„Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergegeben hat, damit alle, die ihm vertrauen, nicht kaputt und verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.“[2]

Dadurch, dass Jesus sein Leben geopfert hat, können wir Vergebung für unsere Schuld bekommen und wieder ein Leben mit Gott führen. Wenn wir uns entscheiden, Jesus um Vergebung zu bitten, dann wird nicht augenblicklich alles besser. Aber wir können beginnen, in einer Beziehung mit Gott zu leben und Gott beginnt vieles Negative aus unserem Leben auszumerzen. Er schenkt uns Liebe statt Hass, Gelassenheit statt Jähzorn, Mitgefühl statt Schadenfreude und befreit uns von Süchten und krankmachenden Gedanken. Ja, sogar körperliche Krankheiten kann er heilen. Jesus verspricht uns, dass wir durch die Entscheidung für ihn nicht nur in dieser Welt mit ihm Leben dürfen, sondern auch die Ewigkeit bei ihm verbringen können – und dann wird es all das Negative tatsächlich nicht mehr geben. Dann können wir Die Ewigkeit ohne Schmerz und Leid bei ihm verbringen.


Jesus lädt dich ein, mit Gott in Beziehung zu leben. Du kannst heute eine Entscheidung dafür treffen. Du kannst Sie Gott dadurch zum Ausdruck bringen, dass du ihm Sätze wie diese sagst: „Danke Gott, dass du in Jesus Christus Mensch geworden bist. Danke, dass du mich geschaffen hast und danke, dass du am Kreuz meine Schuld getragen hast. Bitte vergib mir meine Schuld, vergib mir, dass ich ohne dich gelebt habe. Ich möchte in Beziehung mit dir leben.“


Hast du Interesse daran, jetzt in der Vorweihnachtszeit einmal eine christliche Veranstaltung oder einen Gottesdienst zu besuchen? Gerne kannst Du beim „Anschlussfinder“ vorbeischauen – dort kannst du Anschluss finden zu Christen in deiner Nähe:


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[1] Geschichte von Rainer Brose und Mira Alber

[2] Johannesevangelium Kapitel 3, Vers 16, die Bibel, eigene Übersetzung

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