Gespräch als Predigt – Jesus House Bergneustadt

„Kann eine evangelistische Veranstaltung von Menschen gestaltet werden, die Jesus noch gar nicht kennen?“ Diese Frage stellte ich mir vor Jesus House in Bergneustadt.

Predigt – ein Auslaufmodell? Für viele Jugendliche sei die Predigt im klassischen Sinne oft kaum noch ansprechend. Ein Vortrag, ein Monolog von 30, 40 oder gar 50 Minuten für die meisten eine Überforderung. Und zu langweilig. Das behaupten viele. Dennoch: Auch durch Predigten und Vorträge kommen nach wie vor Jugendliche zum Glauben. Aber es gibt auch andere Wege!

Action und Spaß
Rahmenprogramm: Action und Spaß

So begann jeder Abend mit Spielen und Musik – und dann mit dem gemeinsamen Bibellesen. Statt Kapitel- und Versangaben: Seitangaben. „Auf Seite 134 im hinteren Teil der Bibel könnt ihr eine spannende Geschichte lesen.“ – so führte ich an jedem Abend in jeweiligen Text ein. An allen Tischen hatten wir Bibeln ausgelegt, überall genau die gleiche Ausgabe, versteht sich, sonst wären die Seitenzahlen mehr verwirrend als hilfreich.

Mit Kapitelangaben kann man schließlich nichts anfangen, wenn man mit der Bibel nur wenig vertraut ist oder noch nie eine in der Hand hatte. Für zwölf Jahrhunderte haben es Gläubige auf der ganzen Welt auch ohne Kapitelangaben geschafft, ihre Bibeln zu lesen – und sogar etwa 300 Jahre länger ohne Versangaben. Die Bibel wurde nämlich erst dann in Kapitel und Verse unterteilt, wie wir es heut kennen. Es ist also absolut „biblisch“ auf Kapitel- und Versangaben zu verzichten. Für den versierten Leser war das natürlich äußerst ungewohnt, so dass ich doch an jedem Abend die Frage hörte: „Wo steht das? Welches Kapitel?“

im Dialog
Fragen vom Publikum – Antworten von der Bühne

Zwanzig Minuten Q&A folgten direkt nach dem gemeinsamen Bibellesen in kleinen Gruppen (Q&A: Questions and Answers – Fragen und Antworten). In dieser Zeit konnten mir die Teilnehmer alle möglichen Fragen stellen. Zwar bot der Bibeltext einen groben Rahmen für die Thematik der Fragen, aber schlussendlich wurde das gefragt, was unter den Nägeln brannte – und das war gut so! Oft waren es sehr grundlegende Fragen wie zum Beispiel: „Was soll ich tun, wenn Jesus schläft? Wenn etwas Schlimmes passiert, es mir schlecht geht und Gott es nicht verhindert und mir nicht hilft?“ Der schlafende Jesus in der zuvor gelesenen Geschichte der Sturmstillung (Mk 4) war der Aufhänger für die Frage.

Bei manchen Fragen dachte ich mir: „Die Frage hat jetzt sicher ein Christ gestellt, der für mich eine Steilvorlage liefern will, um das Evangelium zu erklären!“ Es klang manchmal fast wie die Frage des Kerkermeisters: „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“ (Apg 16,30) Im Gespräch nach der Veranstaltung stellte ich einmal völlig überrascht fest: Es war die ehrlich gemeinte Frage einer Atheistin, die offensichtlich auf der Suche war. Und sie kam jeden Abend. Am letzten Abend kniete sie sogar im Lobpreis – zu gerne hätte ich noch mit ihr geredet und herausgefunden, was in ihr vorging!

Metall auf Metall – das waren die schönsten Geräusche der ganzen Woche. Am Freitagabend rief ich nach einer kurzen Predigt über das Kreuz und Jesu stellvertretenden Tod nach der Fragerunde zur Nachfolge auf. Als Zeichen dafür konnte jeder Besucher einen Nagel in einen Korb vor dem Kreuz legen. Ein Nagel landete auf dem andern – ein wunderschönes Geräusch, sogar etwas Sakrales, denn jeder Ton zeugte von einer weiteren Entscheidung für Jesus!

Veranstaltet wurde die Evangelisationswoche von der EFG Hackenberg in Kooperation mit der Evangelischen Kirche Bergneustadt im Rahmen von Jesus House von proChrist.

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