Salz in der Suppe



„Du bist Oregano und du Muskat.“ Nein, mit solch nebensächlichen Gewürzen hat Jesus sich nicht abgegeben, als er seinen Jünger ihre Identität erklärte. Salz – das ist es wovon Jesus sprach, Tausend Mal wichtiger als Ingwer, Fenchel oder Paprika. „Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz fade geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.“ (Matthäus 5,13).

Dieses Bild hat zu folgender Geschichte geführt:


„Falls jemand meine Meinung wissen will, halte ich die ganze Aktion immer noch für sinnlos! Tja, wenn wir mehr Salzkörner wären… ! Aber so? In dem riesigen Suppentopf fallen wir doch garnicht auf. Meiner Meinung nach kann das nicht unsere Lebensaufgabe und Berufung sein!“


„Nun mal sachte“, korrigierte ein Salzkorn. „Natürlich, im Vergleich zum Fleisch und Gemüse in der Suppe sind wir Salzkörner ziemlich winzig. Aber in uns steckt doch genug Kraft und Potential, um der ganzen Suppe die richtige Würze zu geben!“


„Muss ich bei dieser Aktion denn auch mitmachen?“ fragte zaghaft ein schüchternes Salzkorn in der Ecke. „Ich trau mich nicht! Ich würd‘ viel lieber hier im sicheren Salzstreuer bleiben. Auf mich kann es doch nicht ankommen, oder?“


„Papperlapapp!“, widerspricht das älteste Salzkorn. „Dein Auftrag besteht nicht darin, hier im Salzstreuer zu hocken und mit den anderen Salzkörnern hoch-geistige Gespräche zu führen und uns zuzuschauen! Du sollst salzen, das ist deine Aufgabe.“


„Nur nicht so hitzig“, rief da jemand von hinten! „Würde es nicht vielleicht auch ausreichen, einen von uns, sozusagen einen Abgeordneten, in die Suppe zu schicken, jemanden, der sich dazu berufen fühlt?“


Jetzt ging die Diskussion so richtig los! Es schwirrten Ideen und Vorschläge hin und her. „Warum kommt die Suppe den nicht hier in den Salzstreuer?“ „Ja klar, eine super Idee, denn jeder ist uns als Gast herzlich willkommen!“ „Die mögen doch sowieso alle lieber Pfeffer als Salz.“ „Suppe ist so wahnsinnig nass!“ „Unsere Versammlungszeiten stehen doch im Monatsprogramm!“ „Ich bin immernoch dafür, jemanden zu schicken, der das Würzen beherrscht und studiert hat. Wir als Laien usw.“


„Ruhe!“ brüllte schließlich eines der Salzkörner aufgebracht. „Hört mir mal zu! So kommen wir doch nicht weiter. Ein einziges Salzkorn wollt ihr schicken, um etwas zu bewirken, wo doch die Kraft von uns allen gefordert ist? Und wenn ihr noch länger warten wollt, dass die Suppe von selbst in unseren Salzstreuer fließt, dann wartet ihr bis zum jüngsten Tag! Erinnert ihr euch noch an unseren eigentlichen Auftrag? Wir sollen salzen und nicht diskutieren; habt ihr das vergessen? Wozu sonst sind wir denn da?“


Und während noch verlegenes Schweigen herrschte, fühlten sich die Salzkörner plötzlich emporgehoben. Alle, die ihre Aufgabe erkannt und wahrgenommen hatten, ließen sich fallen.


Es wurde eine sehr gute Suppe.



Mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Hees: Materialdienst EE-Süddeutschland,. Brieger Str. 25, 80997 München, www.eesued.de



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