Vom Segelboot zum Heißluftballon – Erlebnisse in Kansas City

„… Unendliche Weiten … “ mit diesen Worten begann nicht nur eine Fernsehserie in den 60gern, sondern auch meine Reise im Gebetshaus in Kansas City. Die Weiten waren jedoch noch unendlicher, als ich dachte.

Bestandsaufnahme in einem Bild

„Wenn du dein Leben gerade anschaust, was für ein Bild würde deine Situation am besten beschreiben? Ein blühender Garten? Eine einsame Straße? Eine Gefängniszelle?“ Bereits in den ersten Wochen in Kansas City durften wir in unserer Kleingruppe eben diese Frage beantworten. Ich wählte aus den dutzenden Bildern, die uns die Gruppenleiter Pack Atkins und Danica Rodriguez vorlegten, das Bild eines Segelbootes.

Seegelboot

Warum dieses Segelboot? Nachdem meine Zeit bei Gospel Fire International Ende 2017 zu Ende ging, begann mit IMETO e.V. ein ganz neuer Dienstabschnitt – und ein neuer Lebensabschnitt. Zuvor war ich Teil einer Missionsgesellschaft, mit der gigantischen Vision, unerreichte Volksgruppen in Ostafrika zu erreichen und orientierte mich an von der Missionsleitung gegebenen Zielen.
Und nun? Wie ein Segelschiff auf einem großen Ozean – unendliche Weiten! Zwar hatte ich eine von Gott grob vorgegebene Richtung: Evangelisation und Evangelisationsschulung weiterhin auch in Afrika aber auch immer mehr in Deutschland und vermehrt an Hochschulen. Gottes Ruf war klar.
Doch was heißt das konkret? Welche Route sollte ich genau wählen? Welche Häfen auf dem Weg ansteuern? Wann genau und mit welcher Geschwindigkeit segeln? Ich konnte segeln, wohin immer ich wollte und hoffentlich da hin, wohin Gottes Geist weht in den Segeln meines Lebensbootes. Es ist als Schiff ein leichtes, mit dem Wind zu segeln – man kann aber auch gegen den Wind segeln! Die Weite, die vielen Möglichkeiten begeisterten mich – aber forderten auch viele Entscheidungen für die einzelnen Schritte von mir!

Warum IHOP Kansas City?

Viele verschiedene Aspekte haben mich dazu gebracht, drei Monate im Gebetshaus in Kansas City zu verbringen:

Logo des Gebetshauses in Kansas City
  • Zuerst die gerade erwähnte neue Lebens- und Dienstphase: Im Grunde hätte ich diese Zeit des Gebets und Fastens vielleicht schon etwas früher nehmen sollen. Ich wollte, dass alles was ich mit IMETO in der Zukunft machen werde, im Gebet geboren wird. Die grundlegende Ausrichtung, die Vision und die Werte sollten aus einer Zeit des Gott-Suchens entstehen. Das zur Ruhe kommen und von IHM hören sollte im Zentrum stehen.
  • Ich wollte und brauchte eine Auszeit. Wer mich ein bisschen kennt weiß, dass ich tendenziell eher zu viel als zu wenig arbeite. Viel zu viel. Es gab oft Wochen, in denen ich über hundert Stunden gearbeitet habe, oft viele Wochen ohne Ruhetag und oft nur wenige Tage Urlaub pro Jahr. Es war seit etwa sieben Jahren das erste Mal, dass ich mehr als zwei Monate am Stück im selben Bett geschlafen habe. Gerade mit der Gründung von IMETO e.V. und allem, was dazugehörte, war das letztes Jahr so arbeitsintensiv, wie wohl kein Jahr zuvor. Die sehr niedrige Arbeitslast und Ruhe in Kansas war sehr heilsam!
  • Ich wollte die Zeit nutzen, um meinen Horizont zu erweitern. Ich hätte diese Auszeit auch in einem Kloster in Deutschland oder vielleicht im Gebetshaus in Augsburg nehmen können – auch das hätte mir sehr gut getan! Doch ich wollte die Chance nutzen, zugleich etwas Neues zu sehen und eine völlig andere Gemeindekultur kennenzulernen: Eine Gemeindekultur, in der Gott, die Gemeinschaft mit Ihm, sowie Lobpreis und Gebet im Zentrum stehen. Nicht zuletzt ist es die geistliche Heimat meiner Freundin – und ich wünsche mir sehr, diese Prägung von Christsein und Nachfolge näher kennenzulernen und tiefer zu verstehen.

Besser im Vorhof

Fast jeden Tag habe ich mindestens vier Stunden im Gebetsraum verbracht. Was für ein Vorrecht! Ich konnte Zeit mit dem Wort Gottes, guter christlicher Literatur, Gebet, Fürbitte, Lobpreis, Stille oder dem Feiern des Abendmahls verbringen. Dazu kamen an vier Tagen die Woche Seminare, sowie freitags und sonntags Gottesdienste. Die Lehrinhalte waren sehr kostbar – einige davon werde ich noch in Blogartikeln wie diesem verarbeiten.
Ich habe die Zeit sehr genossen, es ist ein gewaltiges Vorrecht, dies so ausführlich tun zu können. Ich verstehe den Psalmisten nun ein bisschen besser, wenn er schreibt: „Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend; ich will lieber an der Schwelle im Haus meines Gottes stehen, als wohnen in den Zelten der Gottlosen!“ (Psalm 84,11).

„Warum bist du so frustriert?“

Dennoch war ich nicht zufrieden, mit dem, was ich erlebt hatte. Zweieinhalb Monate im Gebetshaus waren vergangen: Keine göttliche Vision, kein Traum in dem Gott zu mir redete und mir seine Pläne offenbarte – noch nicht einmal ein Erzengel, der sich ein paar Stunden für mich Zeit nahm, um mit mir meine Zukunftspläne zu besprechen.
Ich war frustriert. So saß ich im Gebetsraum, enttäuscht von Gott – ich hatte doch nur noch zwei Wochen Zeit, dann ging es schon zurück nach Deutschland! Und dann passierte, was ich klar als Reden Gottes empfunden habe und meine Perspektive völlig verändert hat. Es war, wie wenn Gott folgendes zu mir sagte:

„Warum bist du so frustriert? Wir arbeiten hier gerade daran, die Grundlage in Ordnung zu bringen. Was immer wir zusammen unternehmen – wir tun es zusammen! Und dann ist es am Schluss egal, ob wir ein Spielzeugauto oder ein Spielzeugflugzeug bauen. Hauptsache ist: Wir machen es zusammen!“

Spielzeugflugzeug oder Spielzeugauto?

Ich war tief berührt! Sofort erinnerte ich mich an eine Geschichte, die ich im Buch „Komm zu Papa: Dem Vater begegnen den Jesus kannte“ von Gary Wiens. Er benutzt hier einen Vergleich: Wenn ein Vater mit seinem Sohn ein Spielzeugauto baut, geht es ihm dann darum, ein schönes Auto herzustellen? Nein, denn das könnte er selbst wahrscheinlich besser. Es geht ihm um den Prozess, um die Gemeinschaft und um das gemeinsame Erfolgserlebnis.

Das hat unheimlich viel Druck von mir genommen! Es ist zweitrangig, was ich genau in meinem Dienst tue, ob ich die nächste Evangelisation nun in Angola, dem Kongo, Burundi oder in Deutschland durchführe. An erster Stelle steht die Frage: Mache ich es mit Gott zusammen? Verbringe ich Zeit mit ihm? Bin ich wie die Rebe am Weinstock, oder versuche ich selbst etwas zu produzieren?
Jesus wünscht sich von Herzen Nähe zu uns und unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Und egal, was daraus entsteht: Es ist gut! Ich bringe auch viel mehr Frucht, wenn ich alles was ich unternehme, aus einer tiefen Beziehung mit Ihm heraus mache, als wenn ich überwiegend aus meiner Kraft heraus arbeite.

Weiter im Heißluftballon – eine neue Dimension!

Bestandsaufnahme die zweite: Zu Beginn des Programms in Kansas City sollten wir anhand von Bildern unsere aktuelle Situation beschreiben; am Ende der drei Monate durften wir auf die gleiche Art und Weise noch einmal unsere Situation beurteilen. Dieses Mal wählte ich das Bild eines Heißluftballons: Zu aller erst deshalb, weil der Ballon auf dem Bild mit zwei Personen besetzt ist – das drückt für mich die vertiefte Beziehung zu Jesus aus. Das Bild ist auch farbenfroher als das erste, positiver und optimistischer als das Bild des Segelbootes.

Ein Ballon ist auch völlig dem Wind ausgesetzt – er kann nie gegen den Wind fliegen. Was er jedoch kann: Er kann sich heraussuchen, in welcher Höhe er fliegt, denn Winde wehen oft in unterschiedlichen Höhen in unterschiedliche Richtungen. Was für ein Herrliches Bild für die Führung des Heiligen Geistes kombiniert mit unserem freien Willen: Ich kann mich völlig von Gott führen lassen und dennoch selbst Entscheidungen treffen.
Ein Segelschiff ist zweidimensional unterwegs, die Höhe ist durch den Meeresspiegel immer festgelegt. Ein Ballon beweg sich in drei Dimensionen, nicht nur in Länge und Breite, sondern auch in der Höhe ist er flexibel – noch unendlichere Weiten! Für mich stand dieses Dimension für das übernatürliche, das göttliche und vor allem die Dimension der vertieften Beziehung zu Jesus.Das Wichtigste bei allem ist: Ich bin zusammen mit Jesus unterwegs!

Höher und Tiefer

Schon allein durch die neue Tiefe meiner Beziehung zu Jesus war die Zeit ein voller Erfolg, auch wenn ich in dieser Zeit niemanden zu Jesus geführt habe. Ja, ich glaube, dass es dadurch auch in meinem Dienst „höher“ gehen wird, dass ich dadurch näher am Willen Gottes für mein Leben bin und mehr Frucht bringen kann. Die Frucht im Dienst ist quasi ein positiver Nebeneffekt und nicht das Zentrum – dies zu verwechseln ist fatal! Diese neue Tiefe in unserer Beziehung ist nicht nur dort im Gebetshaus möglich, sondern begleitet mich auch seither. Ich liebe es, Zeit mit Gott zu verbringen. Ich wünsche dir, dass auch du die Zeiten mit Gott allein lieben und schätzen lernst, dafür Zeit schaffen kannst und Gott mehr kennenlernst und in die Beziehung zu Ihm wachsen kannst. Egal ob du als Evangelist, als Hausfrau, als Banker als Friseurin, Pastor, Müllmann oder Ärztin für sein Königreich arbeitest: Du bist in erster Linie zur Beziehung mit IHM berufen und alles andere, soll als Frucht aus dieser Beziehung entstehen.

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