Als die Welt noch normal war – Jesus House Bruchsal

Heute würde man uns für unsere Antwort für verrückt halten. „Habt ihr euch schon Gedanken gemacht, wie ihr auf Corona reagiert?“ Unsere Antwort war einstimmig:

„Nein, wieso sollten wir?“ Noch gab es keine Versammlungsverbote und keine Kontaktsperren. Ein paar Schulen waren bereits geschlossen, aber das beunruhigte uns nicht – es war ja auch einige Kilometer weit weg!

Über mehrere Monate hinweg hatten wir mit acht Gemeinden die Evangelisationswoche vorbereitet. Sechs Abende waren vorbereitet – inklusive Interviewgästen, Anspielen, Bistro, Predigt und Band. Warum sollten wir daran auch etwas ändern? Also begann alles nach Plan.

Besonders berührend war für mich der vierte Abend mit dem Titel „A new way to be loved“. Am Ende der Predigt über Zachäus (Lk 19,1-19) forderte ich dazu auf, negative Dinge aus dem Leben zu werfen: Sowohl Schuld und Sünde, als auch Lügen und Beschimpfungen, die andere über uns ausgesprochen haben. Symbolisch taten wir dies, indem jeder einen kleinen Zettel und einen Stift bekam, um diese Dinge aufzuschreiben. Vor der Bühne hatten wir zwei Aktenvernichter beim Kreuz aufgestellt, in die man die Zettel werfen konnte. Gleichzeitig war es ein Aufruf, Gott um Vergebung zu bitten für die eigene Schuld und Jesus nachzufolgen. Ein Teilnehmer nach dem anderen warf seinen Zettel in die Aktenvernichter – es ist einfach genial, wie Jesus wirkt, wenn wir das Evangelium verkünden! Als ich dabei zusah, kamen mir die Tränen, denn es wurde ganz real vor meinen Augen: Gott verändert Menschenleben, er greift ein, vergibt und bringt freimachende Wahrheiten in die Leben von Vielen – und ich darf dabei sein. Was für ein Vorrecht.

Doch auch unser Plan wurde von der Pandemie durchkreuzt. „Corona.“ – so lautete die Antwort von Sven Gärtner, dem Organisator von Jesus House in Bruchsal, als ich ihn fragte, was der Grund seines Anrufs war. Es war am vorletzten Tag der Evangelisationswoche (Freitag) und zwei Abende lagen noch vor uns. Das Kultusministerium hatte Schulschließungen in ganz Baden-Württemberg angekündigt für die kommende Woche. So nahmen auch wir unsere Verantwortung war und beschlossen, nur noch Freitagabend durchzuführen und damit die Woche zu beenden.

Den letzten Abend mussten wir leider wegen Corona abgsagen.

Der letzte Abend war für mich trotz allem der Höhepunkt der Woche, wenn der Besuch auch etwas verhaltener war als an den Tagen zuvor – zu groß die Angst vor einer Infektion. Dennoch kamen viele Konfirmanden wieder, für die der Mittwochabend lediglich Pflichtveranstaltung für den Konfirmationsunterricht war –  und das aus eigener Entscheidung, obwohl sie zuvor ihren Pfarrer gefragt hatten, ob sie wirklich bei Jesus House dabei sein müssen. Ich predigte über Jesus und die Ehebrecherin (Joh 8,1-11) und vor allem darüber, wie es möglich war, dass Jesus ihr die Schuld vergeben konnte. Unter jedem Stuhl im Saal hatten wir am Vorabend einen Nagel geklebt, wovon die Besucher nichts wussten – genauso wie sich viele ihrer Schuld vor Gott nicht bewusst waren (ähnlich wie bei Jesus House in Bergneustadt). Als ich zur Entscheidung für Jesus rief, konnte sich jeder nach vorne beugen und den Nagel unter seinem Stuhl hervorholen. Jeder hatte nun die Möglichkeit, seinen Nagel ans Kreuz zu bringen, denn diese Nägel hätten durch unsere Hände gehen sollen. Doch Jesus nahm unseren Platz ein! Ein Nagel nach dem anderen landete auf dem nächsten, vorne am Kreuz vor der Bühne. Trotz Corona: Ein herrlicher Abschluss der Evangelisationswoche.

Bildergalerie
Print Friendly, PDF & Email