Bürgerkrieg und Geschenke – Evangelisation im Kongo

Bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten in der Pool-Region im Kongo. 13.000 Menschen wurden obdachlos und viele verloren ihr Leben – die Folgen waren auch für uns zu spüren.

Dieser Einsatz sollte eigentlich schon 2018 stattfinden. Doch durch die Aufstände mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen 2016 – 2017 hatten die Behörden große Angst vor Versammlungen. Deshalb musste die Evangelisation verschoben werden und nun konnte sie endlich stattfinden. Doch die Zurückhaltung der Gemeinden und Behörden uns gegenüber war immer noch klar zu spüren.

Nach langen Vorbereitungen

Nach den langen Vorbereitungen war die Zeit vor Ort für uns umso intensiver. Dreizehn Teams mit jeweils ca. fünf Evangelisten und einigen Mitarbeitern verteilten sich mehrere Wochen lang in der Region „Pool“, die etwas so groß ist wie Baden-Württemberg. Jedes Team evangelisierte in mehreren Städten und arbeitete mit vielen Gemeinden zusammen.

Wir nutzen die verschiedensten Formen, um Menschen von Jesus zu erzählen: Fußballturniere mit Predigten in der Pause und nach dem Spiel, Open-Air-Veranstaltungen mit dem Jesusfilm, Radioprogramme, Straßenpredigten, Krankenhausbesuche, Hausbesuche, große Stadionveranstaltungen, Evangelisationen an Schulen und Verteilung von Schuhkartons.

Geschenke und glückliche Kinder

Weihnachten im Schuhkarton

Die Strahlenden Gesichter der Kinder waren eins der Highlights für mich. Im Stil von „Weihnachten im Schuhkarton“ brachten wir hunderten von Kindern Schuhkartons mit Zahnbürsten, Seife, Zeichenheften, Stiften, Spielzeug und vielen anderen kleinen praktischen Sachen. Immer, wenn Behörden uns die Arbeit und das Predigen schwermachen wollten, verwiesen wir darauf, dass wir auch ganz praktisch die Liebe Gottes zeigen mit diesen Geschenken. So bahnten die vollgepackten Kartons oft den Weg für die Verkündung. Wir verteilten die Schuhkartons – die Kinder machten sie sofort auf und waren sehr glücklich und dankbar! (Der Termin des 24. Dezembers hat hier nicht so den hohen Stellenwert.) Den Bürgermeister von Mindouli berührte dies so sehr, dass er sogar an alle Schulen die Anweisungen gab: „Diese Evangelisten dürfen in jeder Schule, in jedem Klassenzimmer den Kindern von Jesus erzählen!“

Gottes Wirken in den Einsätzen

Wir bringen das Evangelium in die Häuser

Bei den Einsätzen in den Häusern brachten ganzen Familien die Gute Nachricht. Auch beteten wir oft für Kranke: In einem Haus beteten wir für eine junge Frau, die schon lange chronische Schmerzen hatte. Nach dem Gebet hatte sie keine Schmerzen mehr. Der Vater war völlig erstaunt: „Das geht ja schnell!“. Nachdem wir ihnen von Jesus erzählt hatten und weiterzogen zum nächsten Haus hörten wir noch hinter uns: Applaus, Klatschen, Freude!

Verteilt auf mehrere Teams konnten wir Tausenden Menschen in der Pool-Region die Gute Nachricht bringen, 700 Menschen entschieden sich für die Nachfolge. Nun entstehen überall Jüngerschaftsgruppen unter der Leitung der lokalen Gemeinden.

Hauptverantwortlich für die Organisation war GoodWord Partnership in Zusammenarbeit mit Mission Africa. Meine Aufgabe war es, eines der lokalen Teams zu leiten, die Evangelisten dort zu schulen und bei den Großveranstaltungen abends zu predigen.

Befähigung der Gemeinden

Ausrüstung, die sich fast jede kleine Gemeinde leisten kann.

Sicherlich hätten wir mehr Menschen für Jesus gewinnen können, wenn ich und andere erfahrene Evangelisten vier Mal am Tag vor einer großen Menschenmenge gepredigt hätten. Unser Ziel war aber auch, neue Evangelisten zu schulen und zu begleiten und die Gemeinden für Evangelisation zu befähigen. Jedes Team bestand aus einem erfahrenem Evangelisten, mehreren «Evangelisten-Lehrlinge» und den Gemeindemitgliedern vor Ort. Wir führten mehrere kleine Evangelisationen durch mit Megaphonen auf öffentlichen Plätzen und Haus-zu-Haus-Einsätze. So konnte ich die anderen an die Hand nehmen: vormachen, selber machen lassen, Feedback geben. So dass sie auch ohne uns weiterhin evangelisieren können – ohne «Profis» und ohne Geld aus dem Westen.

Herausforderungen für mich

Die Schwierigkeiten im Team waren enorm. Das Team, dass ich mitgeleitet habe, wäre fast auseinandergebrochen – Beschuldigungen über Diebstahl innerhalb des Teams, Lügen, Veruntreuung von Einsatzgeldern, Intrigen und Rufmord. Ein Streit eskalierte so weit, dass wir kurz davor waren, die Polizei zu rufen. Auch nach dem Einsatz brachte dies noch Arbeit für mich und das Leitungsteam mit sich, um die Anschuldigungen zu klären und die Kassenbücher zu prüfen. Umstände wie diese rauben leider sehr viel Energie. Auch im Vollzeitlichen Dienst können einen die Arbeitskollegen bis an die Grenzen bringen und die Freude an der Arbeit nehmen. Hier heißt es dann für mich schlichtweg: Gehorsam sein und weitermachen.

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